OFFENER KÜNSTLERISCHER WETTBEWERB

Kunstwerk Evangelische Kirche im Stadtpark Villach

A) Visualisierung

Verdeutlichung des künstlerischen Konzeptes mittels beiliegendem Modell

 

B) Grundidee

a) allgemein:
Es handelt sich um eine raumgreifende Installation aus 22* stabförmigen, gedeckelten Edelstahlröhren mit einer Maximallänge von 6 m, die sich in dynamischer Ausrichtung von NNO nach SSW erstreckt. Die Stäbe orientieren sich am Verlauf des bekiesten Gehweges und führen in s-förmigem Schwung imaginär durch das Innere der Kirche. Der Eindruck des scheinbaren Durchlaufens der Stäbe durch den Kirchenraum ist von allen Außenansichten gegeben.
Die Stäbe sind sockellos und direkt im Boden verankert, variieren in ihren Neigungen und zeigen pfeilgerichtet ähnlich eines Vektors in unterschiedliche Richtungen zum Himmel. Die Abstände zueinander sind rhythmisch angelegt und beziehen den Fußgänger beim Durchschreiten der Anlage direkt mit ein. Das Material Edelstahl soll einerseits in seiner kühlen, nüchternen Erscheinung optisch mit den Spiegelfenstern der Kirche in Beziehung treten, andererseits auf den für evangelische Kirchen typischen, eine gewisse Nüchternheit vermittelnden inneren Kirchenraum verweisen.
Eine sehr wesentliche Grundintention dieser Arbeit war es, mittels einer bewusst zurückgenommenen, reduzierten Formensprache sichtbar zu machen, dass die evangelische Kirche nicht nur „himmelwärts“ orientiert, sondern zugleich „erdverbunden“ und damit gerade in Zeiten wie diesen offen ist für den Dialog mit der Welt, mit anderen Religionen, Kulturen und Weltanschauungen. Sie lebt irdische Verantwortung und lässt Menschen einen Ort des Angenommenseins und der Hoffnung finden.
Der formale Minimalismus der Installation will eine Konkurrenz zum historischen Kirchenbau absichtlich vermeiden, aber Anregung bieten zu kritischer Reflexion. Darüber hinaus lässt sie auch geistigen Spielraum für Menschen ohne christliche Konfession und möchte die bestehende Parkanlage durch ein modernes, zeitgemäßes Erscheinungsbild bereichern.
Das Modell ist proportionsbezogen zu verstehen und soll rein der Veranschaulichung der Installation dienen. Die Stäbe sind so ausgerichtet, dass es zu keiner Behinderung der Gehwege kommt; sie sind auch bei Bedarf ohne großen Aufwand zu demontieren.
Ursprünglich war die Ausrichtung der Installation von NNO in Richtung SSW geplant, dann wäre der lt. Plan mögliche Aufstellungsbereich eingehalten. Die reale Situation, mit der sehr hohen Zypresse im vorderen Bereich des Platzes und die Sicht auf die Einzäunung des Kinderspielplatzes ergab jedoch für die Arbeit eine äußerst unruhige Wirkung. Daher wurde der Aufbau spiegelverkehrt ausgerichtet, bespielt jedoch im hinteren Teil (SSW) einen kleinen Bereich, der außerhalb des vorgesehenen liegt. Sollte jedoch der Lageplan eingehalten werden müssen, ist es jederzeit möglich die Ausrichtung wieder dem anzupassen.

* die Zahl ergab sich aus formalen Gründen

b) inhaltlich:

Der Sinngehalt der einzelnen Stäbe liegt in der Verbindung des Irdischen mit dem Himmlischen und nimmt Bezug in ihrer symbolischen Auslegung auf den Traum Jakobs aus dem 28. Kapitel des Buches Genesis, in dem ihm eine Himmelsleiter erscheint, auf der Engel als Boten Gottes auf und nieder steigen und so gesehen ihre Arbeit verrichten. Sie bauen an der Brücke zwischen Himmel und Erde und stellen die Verbindung her zwischen der Erde, der Welt Jakobs, und dem Himmel, der Welt Gottes. Jakob hat erkannt, dass ihm obwohl er schuldhaft war, Gottes Segen gewiss war. Er hat daran geglaubt, trotz all seiner Zweifel und all seiner eigenen Fehlerhaftigkeit. Er hatte den Mut unter diesem Versprechen Gottes seinen schweren Weg weiterzugehen, um dann an das verheißene, gute Ende zu gelangen.
Der Weg des Menschen ist offen, differenziert, bewegt, verläuft nicht immer geradlinig, und wird durch die Kurve symbolisiert, die weder einen Anfang noch ein Ende hat, sozusagen einen Ausschnitt Vieler darstellt; die unterschiedlichen Schrägen der Stäbe stehen für die unterschiedlichen Herausforderungen des Lebens an den Menschen, denen er sich stellen muss und die auch über den Glauben bewältigbar sind. Die Geschichte vom Traum Jakobs von der Himmelsleiter kann dafür ein mutmachendes Beispiel sein.
„Der Weg ist offen. Wer hat denn aus der Welt je zu sich selbst gefunden? Nur der ward frei, der sich ans Ewige Wort gebunden.“ (Edgar Dacqué)
Margot Käßmann, die Botschafterin des Rates der evangelischen Kirche in Deutschland hat für das Reformationsjubiläum 2017 auch folgendes zum Thema Freiheit formuliert: „Die Zusage der Freiheit setzt Menschen in Bewegung und soll sie davor bewahren, in egoistischer Verkrümmung zu verharren. Reformatorischer Glaube zielt auf den rechten Gebrauch der Freiheit und auf das Wissen um die Verbundenheit aller, also auf Verantwortung
In jedem Gottesdienst wird zur Begegnung mit Gott eingeladen und im besten Fall kommt es dabei zur Berührung zwischen Himmel und Erde. Sie findet im Kirchenraum statt, dort, wo die Gemeinde sich sammelt und das Wort verkündet wird. In diesem christlichen Versammlungsraum, der in seiner Querhausanlage eine Horizontale beschreibt, findet der Querbalken des Kreuzes seine Entsprechung und steht als Sinnbild für die Verbundenheit der Menschen untereinander. Der Kirchturm, in seiner Vertikalen bzw. die vielen einzelnen, nahezu vertikal ausgerichteten Stäbe, die imaginär durch den Raum führen, ergeben in ihrer geistigen Zusammenführung das Kreuz als christliches Grundsymbol. Seine symbolische Ausdeutung steht für die Einheit von Extremen, etwa Himmel und Erde, aber auch der Synthese und des Maßes.

B) technische Beschreibung

Jede Edelstahlröhre wird in einem Punktfundament verankert. In diesem Fundament werden jeweils zwei ineinanderpassende Hülsen einbetoniert, die versenkt unter dem Erdniveau liegen. Mittels Verschraubung wird das Edelstahlrohr darin befestigt und kann somit bei Bedarf demontiert werden.

22 Edelstahlröhren mit Edelstahldeckel (geschliffen) Ø114mm x 6m
22 Bodenhülsen in Edelstahl ca 1m lang
22 Bodenhülsen in Edelstahl ca 70cm lang
22 Punktfundamente